RAD Short & Long

Rad kurz (84 km / 1300 hm) und lang (136 km / 2400 hm)

„Velofahren im Baselbiet“ für viele Gümmeler aus dem Mittelland nicht gerade der Inbegriff für gemütliches Radfahren. Zu viele Erinnerungen an elend steile Rampen. Der Stolz einen solchen 20-Prozenter durchgedrückt zu haben, rächte sich in der Vergangenheit meist am nächsten Anstieg.

Für Euch haben wir eine Tour ohne unbezwingbare Rampen dafür mit einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Streckenführung zusammengestellt. Keiner soll das Fahrrad schieben, aber mit Genuss auf verkehrsarmen Strassen die üppige Natur und die wechselvolle Landschaft erleben. Sicher entdeckt Ihr dabei auch wieder neue Routen für künftige Trainingsfahrten.

Los geht’s! – Kurz nach Brittnau auf dem Weg nach Aarburg testen wir den neuen Radweg an der seit Herbst eröffneten Wiggertalstrasse. 20 Kilometer Einfahren ohne nennenswerte Steigung zwischen Aare und Born weiter durchs Gäu bis Egerkingen schonen das Körnerkonto und wärmen die Muskulatur. Diese brauchen wir auf den knackigen 360 Höhenmetern ab Egerkingen auf die Santelhöchi.

Im Aufstieg zur Santelhöchi

Bei der frühmorgendlichen Auffahrt durch den am Jura-Südfuss typischen Mischwald müssten wir dessen kühlenden Schatten allerdings noch nicht in Anspruch nehmen. Die erste Jurakette ist locker geschafft und die nächste überqueren wir kaum merkbar über den Oberen Hauenstein. Nach der rasanten aber doch erholsamen Abfahrt nach und durch Waldenburg heisst es in Oberdorf „Kopf hoch, Augen auf!“ Hier trennen sich die Wege unvermittelt. Diejenigen Ironbiker, welche am Nachmittag noch zur Geburtstagsfeier ihrer Grossmutter müssen, fahren ostwärts Richtung Verpflegungsposten Diegten. Wir, die sich einen ganzen Tag puren Radgenuss leisten, biegen stressfrei nach Westen weg. Gleich steigt’s ordentlich an. Es folgt ein Auf und Ab. Nach dem ersten Ab können wir auf dem Dorfplatz Reigoldswil die Bidons füllen und die verbrannten Kalorien wieder ersetzen.

Der noch leere Dorplatz in Reigoldswil, aber bald wird hier verpflegt
Blick zurück Richtung Reigoldswil

Wer im Geografieunterricht genau hingehört hat, weiss dass der Schweizer Jura tektonisch in Faltenjura und Tafeljura gegliedert ist. Dort wo sich die beiden treffen, führt die Strecke bis Nunningen, gesäumt linker Hand vom dicht bewaldeten Faltenjura und rechts vom stärker bewirtschafteten und lieblicheren Tafeljura. Die nächsten 15 Kilometer ins 300 Meter tiefergelegene Laufental und entlang der Birs bis nach Dornach können wir in zügiger Fahrt richtig geniessen; gute Strasse, kaum Verkehr und meist leicht abfallend. Kurz vor Dornach beim Schloss Angestei bleiben wir auf der rechten Seite der Birs und vermeiden auf einem Schleichweg (Radweg) die Durchfahrt durch Dornach und gelangen so direkt zum Anstieg nach Gempen.

Kurz vor Schloss Angestei bei Dornach
Kurvenreicher Aufstieg nach Gempen

Mit angenehmen Steigungsgraden geht’s die 350 Höhenmeter über acht 180-Grad-Kehren durch dichten, schattenspendenden Wald bergauf. Die Strecke verweilt nur kurz auf dem Gempenplateau. Die rasante Abfahrt durch das Nussbaumwäldchen (lateinisch: nucariolum), das dem Dorf Nuglar den Namen gegeben hat, führt uns zum Talboden der Oris. Auf kurzweiligen, coupierten Wegen geht die lange Ironbikeroute über Lupsingen und Ziefen zurück ins Waldenburgertal. Kurz nach Niederdorf auf dem Weg nach Bennwil endet die Zusatzschlaufe der langen Strecke.

Auf dem Tafeljura Richtung Bennwil

Die Kurzstreckenfahrer sind dann vielleicht schon beim Geburtstagsfest der Grossmutter oder bei Pasta und Bier in Brittnau. In Diegten verpflegen wir uns zum zweiten Mal unterwegs. Die letzten vierzig Kilometer bis Brittnau sind keine Ausrollkilometer. Einige schöne Baselbieter Steigungen erwarten uns noch. Die erste beginnt bereits auf dem Verpflegungsplatz beim Schulhaus Diegten. Nach dem kurzen Halt ist so die ideale Betriebstemperatur schnell erreicht. Eingefleischten Ironbikern sind von früheren Basel-Land-Touren die nächsten paar Kilometern nicht unbekannt. Die Steigungen und Abfahrten um Wittinsburg und Rünenberg waren mehrmals Teil des Streckenplans. Auch dieses Mal wird uns die angenehme Ruhe und beschauliche Lage Rünenbergs positiv auffallen. Ein paar Fahrkilometer weiter in Zeglingen beginnt der Aufstieg zum höchsten Punkt der Tour dem 812 Meter hohen Juraübergang Schafmatt.

Diese 20% lassen wir links liegen

Den gefürchteten „Zeglinger-Stutz“ mit der knackigen 20% Steigung Richtung Oltingen lassen wir diesmal links liegen und benutzen den nur Insidern bekannten direkten und weniger steilen Weg zur Schafmatt. Dieses Wegstück ist deshalb kaum bekannt, weil es für Motorfahrzeuge gesperrt ist und ein 300 Meter langes Stück Naturstrasse enthält. Dank der guten Qualität des Naturbelags lassen wir uns von der Fahrt durch dieses idyllische Tälchen nicht abhalten. Wenn im Juni über Mittag die Sonne am Himmel brennt, werdet ihr den dunklen Wald und das kühle Bächlein am Wegrand lieben. Schnell erreichen wir so die Schafmatt.

“Von nun an ging’s bergab” sang seinerzeit die Knef. Bei ihr persönlich war’s wohl so, bei uns nicht ganz. Denn auf den letzten 20 Kilometern von Stüsslingen über Obergösgen, Walterswil und Zofingen nach Brittnau wird der kurze, aber knackige Aufstieg zum Grod dem Einen oder Anderen noch die letzten Körner kosten. Höchste Zeit also wieder aufzutanken. Wo ist dafür der geeignetste Ort? Richtig – unter den lauschigen Bäumen beim Schulhaus Brittnau mit einem Teller feiner Pasta und einem kühlen Blonden. Noch etwas mit Freunden und Freundinnen, die die gleiche Leidenschaft das Radfahren mit uns teilen, zusammensitzen und gemütlich Plaudern.[HB]

So soll unser perfekter Tag am 15. oder 16. Juni aussehen!

Herzlich willkommen am Ironbike 2019 in Brittnau!

Schwierigkeitsgrad kurze Strecke: BB (Baselbiet) 
Kondition: mittel

Schwierigkeitsgrad lange Strecke: BB+ (Baselbiet Plus)
Kondition: anspruchsvoll

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